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Hast du eigentlich eine Vision?
Von großen und kleinen Träumen
Ja, kennt du deine Vision? Dieses kleine oder große Bild davon, was dich antreibt? Ich wusste es lange nicht so richtig.
Es gibt den schönen Satz „Du musst deinen Traum finden, dann wird der Weg einfach“ von Hermann Hesse. Er hat mich immer irgendwie angesprochen - aber die Antwort blieb ich schuldig. Ich wusste es nicht so richtig. Und braucht man das überhaupt? Eine Vision?
Ich glaube, ja. Nicht unbedingt als konkretes Ziel, aber als Kompass. In einer Welt, wo uns auf Social Media permanent erzählt wird, was uns wichtig sein soll und Nachrichten aufwühlen statt zu beruhigen, kann eine Vision ein Anker sein, der dafür sorgt, dass wir nicht nicht mitgerissen werden und uns hilft, bei uns selbst zu bleiben.
Was eine Vision mit Mut zu tun hat
Kürzlich kam die Frage in einem Training erneut auf.
Was ist deine Vision? Was treibt dich an? Und vor allem wofür stehst du?
Und ich habe gemerkt: Das fällt mir gar nicht so leicht.
Eine klare Vision hatte ich nie, vielleicht eine grobe Idee, ein paar Schlagworte, aber nichts worauf ich mich wirklich festgelegt hätte. Andere Menschen schienen es sofort zu wissen. Ich hatte eher das Gefühl: Ich weiß es nicht so genau.
Das Gespräch darüber und die Klarheit anderer Menschen hat mir gezeigt: Ich habe mich nicht getraut eine zu haben. Ich habe die Unklarheit, das diffuse „Ich weiß nicht so genau“ vorgezogen, weil ein Bekenntnis zu meiner Vision mir Angst gemacht hat.
Angst vor einer Vision? Ja, ich glaube, dass Menschen aus ganz unterschiedlichen Gründen keine Vision haben und dass diese Grüne oft mit Angst zu tun haben.
Angst vor Bewertung
Ist meine Vision gesellschaftsfähig? Passt sie zu dem, was mein Umfeld denkt? Zu den Werten, die dort gelten? Vielleicht kommt Kritik oder Widerspruch.
Angst vor der eigenen Größe
Eine Vision ist ein Bekenntnis zu sich selbst. Und viele von uns haben gelernt sich klein zu halten - und nicht zu groß zu träumen. Wer bist du zu denken, du könntest..? Wie realistisch ist das überhaupt? Und schon wird die Vision mindestens eine Nummer kleiner.
Ich habe so gemerkt, dass es erst mal weniger um die konkrete Vision ging, sondern vielmehr darum: Erlaube ich mir überhaupt eine Vision zu haben?
Dass eine vermeintlich einfache Frage zu ganz anderen Erkenntnissen führen kann, erlebe ich immer wieder. Während sie für den einen Menschen schnell beantwortet ist, öffnet sie für einen anderen ein Feld und es zeigt sich, worum es gerade eigentlich geht.
Wenn Klarheit entsteht
Für mich war es vor allem die Angst vor meiner eigenen Größe – und die Angst zu scheitern. Denn ohne Vision kann man sie schließlich auch nicht verfehlen. Und doch kam sie dann irgendwann zu mir. Fast nebenbei, nach einem intensiven Gespräch war die Klarheit plötzlich da. Meine Vision ist eine Welt, in der Individualität nicht nur toleriert wird, sondern gefördert. Dafür gehe ich los, auch wenn ich nicht weiß, wohin das führen wird und was vielleicht daraus entstehen wird.
Ich glaube, eine Vision ist eine ehrliche Antwort auf die Frage: Wofür stehst du? Und das kann schwieriger zu beantworten sein, als das allgegenwärtige "Ich bin gegen...". Denn die Antwort ist persönlicher.
Und auch in einem „Ich weiß es nicht“ steckt viel, denn wenn du ganz ehrlich bist: Erlaubst du dir überhaupt eine Vision?